Was ist DSL? Technik, Varianten und der Unterschied zu VDSL
DSL bringt das Internet über die Telefonleitung ins Haus – so läuft der Großteil aller Anschlüsse in Deutschland. Wie das technisch funktioniert, warum VDSL schneller ist und wovon Dein Tempo tatsächlich abhängt, erklärt dieser Ratgeber. Das Wichtigste vorab:
- DSL läuft über die vorhandene Kupfer-Telefonleitung
- VDSL ist eine DSL-Variante, keine andere Technik
- Entscheidend ist die Leitungslänge bis zum Verteiler
Das Wichtigste in Kürze
- DSL steht für Digital Subscriber Line und nutzt die Kupferleitung, die auch das Festnetztelefon versorgt.
- Telefonieren und Surfen laufen gleichzeitig, weil DSL Frequenzen oberhalb der Sprache nutzt.
- VDSL ist keine andere Technik, sondern die schnellere Ausbaustufe von DSL – die Glasfaser reicht dabei bis zum Verteilerkasten an der Straße.
- ADSL schafft bis zu 16 Mbit/s, VDSL bis zu 50, mit Vectoring bis zu 100 und mit Super-Vectoring bis zu 250 Mbit/s.
- Wie viel davon bei Dir ankommt, hängt vor allem von der Länge der Kupferstrecke ab.
Was bedeutet DSL?
DSL ist die Abkürzung für Digital Subscriber Line, auf Deutsch digitaler Teilnehmeranschluss. Gemeint ist ein Verfahren, das digitale Daten über die ganz normale Telefonleitung aus Kupfer überträgt – also über Leitungen, die in Deutschland seit Jahrzehnten in nahezu jedem Haus liegen. Genau darin liegt der Grund für die große Verbreitung: Für DSL musste kein neues Netz gebaut werden.
Der Trick dabei ist die Aufteilung der Frequenzen. Ein Telefongespräch nutzt nur einen schmalen Bereich bis etwa 3,4 Kilohertz. Alles darüber lag früher ungenutzt brach, und dort überträgt DSL die Daten. Deshalb kannst Du telefonieren und gleichzeitig surfen, ohne dass sich beides stört. Moderne Anschlüsse gehen sogar noch einen Schritt weiter: Seit der Umstellung auf All-IP läuft auch das Telefonat als Datenstrom über den Internetanschluss.
Ein zweites Merkmal steckt schon im Namen der häufigsten Variante ADSL, dem „a" für asymmetrisch: Der Download ist deutlich schneller als der Upload. Warum das so gebaut wurde, steht weiter unten.
Wie DSL ins Haus kommt
Der Weg der Daten führt über drei Stationen. In der Vermittlungsstelle des Netzbetreibers steht die Gegenstelle, der DSLAM. Von dort geht es über Kabel zum Kabelverzweiger – das sind die grauen Kästen am Straßenrand, die jeweils ein paar Dutzend bis mehrere Hundert Haushalte versorgen. Die letzte Etappe bis zur TAE-Dose in Deiner Wohnung ist immer Kupfer.
Entscheidend ist, wie lang diese Kupferstrecke ist. Elektrische Signale werden mit jedem Meter schwächer, und hohe Frequenzen verlieren schneller an Kraft als niedrige. Fachleute nennen das Dämpfung. Praktisch bedeutet es: Zwei Nachbarorte können denselben Tarif buchen und trotzdem ganz unterschiedliche Geschwindigkeiten bekommen – je nachdem, ob der Verteiler 300 Meter oder zwei Kilometer entfernt steht. Aus demselben Grund lässt sich die Leistung eines Anschlusses nicht aus der Postleitzahl ableiten, sondern nur aus der konkreten Adresse. Wenn Du wissen willst, was bei Dir geht, hilft die DSL Verfügbarkeitsprüfung.
Beim Ausbau setzen die Netzbetreiber genau hier an: Sie verlegen Glasfaser bis zum Kabelverzweiger und verkürzen damit die Kupferstrecke. Diese Bauweise heißt FTTC, Fibre to the Curb, und ist die Voraussetzung für VDSL. Reicht die Faser bis ins Gebäude oder in die Wohnung, spricht man von FTTB beziehungsweise FTTH – dann ist es echte Glasfaser und kein DSL mehr.
ADSL, VDSL, Vectoring und Super-Vectoring
Hinter „DSL" steckt eine ganze Familie von Verfahren. Sie unterscheiden sich darin, wie viele Frequenzen sie nutzen und wie weit die Glasfaser vorgerückt ist:
| Variante | Download | Upload | Merkmal |
|---|---|---|---|
| ADSL / ADSL2+ | bis 16 Mbit/s | bis 1 Mbit/s | Kupfer von der Vermittlungsstelle bis nach Hause, Frequenzen bis etwa 2 MHz |
| VDSL2 | bis 50 Mbit/s | bis 10 Mbit/s | Glasfaser bis zum Kabelverzweiger, Frequenzen bis etwa 17 MHz |
| VDSL mit Vectoring | bis 100 Mbit/s | bis 40 Mbit/s | rechnet das Störsignal benachbarter Leitungen aktiv heraus |
| Super-Vectoring | bis 250 Mbit/s | bis 40 Mbit/s | nutzt Frequenzen bis 35 MHz, dafür sehr kurze Kupferstrecke nötig |
Was Vectoring genau macht
In einem Kabelbündel liegen viele Doppeladern dicht beieinander. Jede erzeugt ein elektromagnetisches Feld und stört dadurch ihre Nachbarn – das sogenannte Übersprechen. Vectoring berechnet diese Störungen im Voraus und sendet ein Gegensignal, sodass sie sich aufheben. Der Effekt ist eine deutlich höhere Datenrate über dieselbe Leitung. Der Preis dafür: Alle Leitungen an einem Verteiler müssen von einem Betreiber koordiniert werden, weshalb Vectoring-Gebiete oft nur von einem Anbieter technisch bedient werden.
Bei Super-Vectoring, technisch das VDSL2-Profil 35b, kommen noch höhere Frequenzen dazu. Weil gerade diese besonders schnell gedämpft werden, bringt es nur dort viel, wo der Verteiler nah am Haus steht. Ein paar Hundert Meter weiter bleibt vom theoretischen Maximum wenig übrig. Aktuelle Tarife dieser Stufe findest Du unter VDSL Tarife, ob sie an Deiner Adresse geschaltet werden können, klärt die VDSL Verfügbarkeitsprüfung.
Der Unterschied zwischen DSL und VDSL
Die beiden Begriffe werden oft gegeneinandergestellt, als wären es zwei konkurrierende Techniken. Das ist nicht der Fall: VDSL ist eine Variante von DSL. Das „V" steht für very high speed. Beide übertragen Daten über Kupfer, beide enden an derselben TAE-Dose, beide brauchen einen DSL-fähigen Router.
Drei Dinge unterscheiden sie tatsächlich:
- Wie weit die Glasfaser reicht. Bei ADSL beginnt das Kupfer schon an der Vermittlungsstelle, bei VDSL erst am Kabelverzweiger in Deiner Straße.
- Welche Frequenzen genutzt werden. ADSL arbeitet bis etwa 2 MHz, VDSL2 bis 17 MHz, Super-Vectoring bis 35 MHz. Mehr Frequenzraum bedeutet mehr Daten – aber auch mehr Verluste über die Entfernung.
- Wie empfindlich sie auf Länge reagieren. Ein ADSL-Anschluss liefert auch nach zwei Kilometern noch ein brauchbares Ergebnis. VDSL verliert auf derselben Strecke einen Großteil seiner Leistung.
Für Deine Entscheidung heißt das: VDSL ist nicht generell besser, sondern nur dort, wo die Kupferstrecke kurz genug ist. Wo kein VDSL verfügbar ist, liegt das fast immer am fehlenden Glasfaseranschluss des Verteilers – warum das so sein kann, erklärt der Ratgeber Warum ist nur DSL verfügbar?
Was Du für einen DSL-Anschluss brauchst
Die Liste ist kurz. Nötig sind eine TAE-Dose in der Wohnung, ein DSL-fähiger Router mit eingebautem Modem und ein Vertrag mit einem Anbieter, der an Deiner Adresse liefern kann. Einen separaten Splitter, wie er früher zum Trennen von Telefonie und Daten diente, brauchst Du bei heutigen Anschlüssen nicht mehr: Seit der Umstellung auf All-IP läuft die Telefonie über den Router, das Telefon wird dort direkt angeschlossen.
Ob Du überhaupt einen Festnetzanschluss mitbuchen musst, hängt vom Tarif ab. Die meisten Pakete enthalten ihn, es gibt aber auch Internet ohne Festnetz. Mehr zum Anschluss selbst steht unter Festnetzanschluss.
Ein Hinweis, der in der Praxis mehr Unterschied macht als jede Tarifentscheidung: Zwischen Router und Endgerät liegt meist WLAN, und das ist häufig der eigentliche Engpass. Dicke Wände, ein Gerät im Schrank oder ein überfüllter Funkkanal drücken die Geschwindigkeit oft stärker als die Leitung selbst. Was hilft, steht in WLAN im ganzen Haus.
Warum der Upload kleiner ist als der Download
Als DSL entwickelt wurde, sah typische Internetnutzung so aus: viel empfangen, wenig senden. Also wurde der verfügbare Frequenzraum ungleich verteilt – der größere Teil für den Download, der kleinere für den Upload. Genau das steckt im „A" von ADSL.
Heute hat sich die Nutzung verschoben. Videokonferenzen, Cloud-Backups, das Hochladen von Fotos und Videos oder Gaming belasten vor allem den Upload. Bei ADSL mit 1 Mbit/s wird das schnell knapp, VDSL mit Vectoring bietet mit bis zu 40 Mbit/s deutlich mehr Luft. Wenn Du regelmäßig im Homeoffice arbeitest, lohnt es sich, im Tarifvergleich nicht nur auf die große Download-Zahl zu schauen, sondern gezielt auf den Upload-Wert.
Wenn weniger ankommt, als im Vertrag steht
Beworben wird meist eine „bis zu"-Geschwindigkeit. Verbindlicher ist das Produktinformationsblatt, das Dein Anbieter vor Vertragsabschluss aushändigen muss: Dort stehen die maximale, die normalerweise zur Verfügung stehende und die minimale Geschwindigkeit. Der mittlere Wert ist der aussagekräftigste, denn er beschreibt, was im Alltag realistisch ist.
Bleibt Dein Anschluss dauerhaft und erheblich hinter diesen Angaben zurück, hast Du Rechte: Du kannst das monatliche Entgelt mindern oder außerordentlich kündigen. Als Nachweis dient die Desktop-App der Bundesnetzagentur unter breitbandmessung.de, die Messungen nach einem festgelegten Verfahren protokolliert und ein Messprotokoll erzeugt. Wichtig für belastbare Werte: per LAN-Kabel messen, nicht über WLAN, und andere Geräte im Netz währenddessen ruhen lassen.
Kommt an Deiner Adresse technisch gar keine brauchbare Leitung an, hilft Was tun, wenn DSL nicht verfügbar ist weiter.
DSL, Kabel, Glasfaser oder LTE – wo liegen die Unterschiede?
Kabel-Internet nutzt das Fernsehkabelnetz und erreicht hohe Downloadraten, teilt die Kapazität aber unter den Haushalten eines Segments auf – zur Hauptsendezeit kann das spürbar werden. Der Upload liegt meist unter dem von VDSL. Die Gegenüberstellung findest Du unter DSL oder Kabel und mit Tarifen unter Kabel-Internet.
Glasfaser bis ins Gebäude ist technisch überlegen: kaum Dämpfung, symmetrische Geschwindigkeiten, stabile Latenz. Verfügbar ist sie aber längst nicht überall, und ein Anschluss muss ins Haus gebaut werden.
LTE und 5G laufen über das Mobilfunknetz. Ein Router am Stromnetz genügt, ein Leitungsanschluss ist nicht nötig – praktisch dort, wo kein DSL ankommt, oder für einen Übergang nach dem Umzug. Details unter LTE Tarife und im Vergleich DSL oder LTE.
Ist DSL heute noch zeitgemäß?
Für die meisten Haushalte: ja. Ein VDSL-Anschluss mit 100 Mbit/s deckt Homeoffice, mehrere parallele Streams und viele Geräte problemlos ab. Interessant wird ein Wechsel auf Glasfaser vor allem dann, wenn Du regelmäßig große Datenmengen hochlädst oder Dein Anschluss wegen der Leitungslänge deutlich unter 50 Mbit/s bleibt.
Umgekehrt gilt: Solange Kupfer im Boden liegt und die Verteiler weiter mit Glasfaser erschlossen werden, bleibt DSL für viele Adressen die schnellste verfügbare Option. Wichtiger als die Technik im Datenblatt ist deshalb die Frage, was an Deiner Adresse tatsächlich geschaltet werden kann – und zu welchem Preis über die gesamte Laufzeit. Genau das zeigt der DSL Vergleich mit dem Effektivpreis je Tarif.
Adresse eingeben und sehen, welche DSL-, VDSL- und Kabeltarife an Deinem Anschluss buchbar sind – sortiert nach echtem Monatspreis.
Häufige Fragen zu DSL
DSL steht für Digital Subscriber Line, also digitaler Teilnehmeranschluss. Der Begriff beschreibt die Übertragung digitaler Daten über die vorhandene Kupfer-Telefonleitung.
VDSL ist keine eigene Technik, sondern die schnellere Ausbaustufe von DSL. Bei VDSL reicht die Glasfaser bis zum Kabelverzweiger in der Straße, nur die letzte Strecke ist Kupfer. Dadurch sind statt 16 Mbit/s bis zu 250 Mbit/s möglich – allerdings nur bei kurzer Kupferstrecke.
ADSL erreicht bis zu 16 Mbit/s im Download, VDSL2 bis zu 50 Mbit/s, mit Vectoring bis zu 100 Mbit/s und mit Super-Vectoring bis zu 250 Mbit/s. Welcher Wert bei Dir ankommt, hängt vor allem von der Entfernung zum Verteiler ab.
Vectoring kompensiert das Übersprechen zwischen benachbarten Kupferleitungen: Die Störung wird berechnet und durch ein Gegensignal aufgehoben. So sind über dieselbe Leitung höhere Datenraten möglich.
Nein. Seit der Umstellung auf All-IP läuft die Telefonie über den Router, ein separater Splitter ist nicht mehr nötig. Der Router wird direkt an die TAE-Dose angeschlossen, das Telefon an den Router.
Weil DSL asymmetrisch aufgebaut ist: Der größere Teil des Frequenzraums ist für den Download reserviert. Bei ADSL bleibt rund 1 Mbit/s für den Upload, bei VDSL mit Vectoring sind es bis zu 40 Mbit/s.
Technisch braucht DSL die Telefonleitung, einen Telefontarif musst Du aber nicht zwingend buchen. Es gibt Tarife als reine Datenanschlüsse ohne Telefonie-Flatrate.
Miss zunächst per LAN-Kabel mit der Desktop-App der Bundesnetzagentur, um ein Messprotokoll zu erhalten. Weicht die Leistung dauerhaft und erheblich von den Angaben im Produktinformationsblatt ab, kannst Du das Entgelt mindern oder außerordentlich kündigen.
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